Benefiz-Lesung und neues Projekt

Mehr als 700 Euro brachte die Kleinkunst-Lesung von Jürgen Kunz zugunsten der Sanierung des Hippolyth-Kirche in Besigheim-Ottmarsheim. Es war nicht nur für alle Beteiligten ein unterhaltsamer Abend, die den Mund-Art-Autor auf seiner schwäbischen Mission begleitet haben. Im evangelischen Gemeindehaus stelle Kunz sein neues Projekt vor, an dem er zusammen mit dem kreativen Kunsthandwerke Martin Opitz aus Bönnigheim arbeitet: Das „Märchenfescht“, bei dem Erwachsene und Kinder in ungewöhnlicher Weise Märchen in schwäbischer Mund-Art erleben, entdecken, begreifen und genießen werden.

Als Narr treibt Martin Opitz seine Späßchen, als Erzähler rezitiert Jürgen Kunz Märchen in schwäbischer Mund-Art. Foto. Helmut Pangerl

In ihrer Montagsausgabe vom 2. Februar 2015 berichtet die Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung von der Veranstaltung in Besigheim-Ottmarsheim:

Lutherdeutsch im Alltag, Schwäbisch in der Freizeit

Benefiz-Veranstaltung für den Erhalt der Hippolytkirche – Jürgen Kunz liest Mundart

Der Abeitskreis „Aktives Ottmarsheim“ hatte zu einer Benefizlesung zugunsten der Renovierung der Hippolytkirche ins Gemeindehaus geladen. Jürgen Kunz sorgte für einen abwechslungsreichen Abend.

MIRIAM STAUDACHER

Seit vor zwei Jahren sein Buch „Hoimatstond. Gschichtle ond Begegnonga mit ällerlei Leut’“ erschien, befindet sich Jürgen Kunz auf „schwäbischer Mission“: Dem bekennenden Württemberger, der im Hauptberuf in der „Luthersprache“ publiziert, ist es ein Bedürfnis, das Schwäbische, den „schönsten und lautmalerischsten Dialekt der Welt“ vor dem Untergang zu retten.

„Emmer meh gâht onser Dialekt dr Bach nâh“, klagte Jürgen Kunz, Redakteur der Bietigheimer, Bönnigheimer und Sachsenheimer Zeitung. Der drohende Untergang des Schwäbischen habe ihn dazu bewegt, die vielen Erlebnisse aus seinem Redaktionsalltag in einem Buch zu versammeln: „Uff Schwäbisch nadierlich“, was für ihn „a bsondere Gnad“ sei.

Eins stellte der Autor gleich zu Beginn der vom „Arbeitskreis Aktives Ottmarsheim“ initiierten Benefiz-Lesung im Gemeindehaus klar: „Des sen koine Schenkelklopfer!“ Das würden schon andere machen. Und er hatte auch nicht die Absicht, „a Büchle mit verklärtr, historischr Schwâbetümelei zu verfassa“, sagte er. „I will mit meine Beobachdonga drzua beitrage, durch kloine Anekdota ond G’schichtla festzomhalde, was heut‘ ons Schwâbe omtreibt.“

Und so handeln seine Geschichten vom „Schlotza“ („a prächtigs Beispiel für onsern schwäbischa Dialekt“), vom Besigheimer Bürgermeister, der den amerikanischen Präsidenten zu einem Besuch in „Deutschlands schönstem Weinort“ ermuntert („weil der UrUrUr-UrUrUrgroßvader vom Obama von Besigheim nach Amerika ausgwandert isch“), oder von den Eigenarten der schwäbischen Zeitrechnung: „Jetzt geht’s om onser Uhrzeid“, setzte Jürgen Kunz an und alle nickten bekräftigend, auch die „Reigschmeckde“: „Onser Uhrzeid isch eigendlich ganz logisch“, referierte der Verfechter der Schwabensprache und machte diese Logik an einem zu drei Viertel gefüllten Henkelglas-Glas deutlich: „Koi vernünftigr Mensch tät doch saga: Des Glas isch Viertel vor voll.“

Besagtes Gläsle füllte der Moderator immer dann, wenn er mit dem „Schwabometer“ sein Publikum prüfte. Die Besucher im Gemeindehaus erwiesen sich als „rechte Schlaule“ und sorgten mit ihren Antworten dafür, dass „der spezielle Suevia-Glaskolba“ beständig mit „ra geheima Messflüssigkeit“ aufgefüllt werden konnte. „Ich kenne kein einziges Wort“, lachte die gebürtige Hessin Bettina Jung, als sie auf dem „Hoimatstond-Frâgeboga“ die schwäbischen Begrifflichkeiten von „Angersche“ bis „Vierleng“ aufgelistet sah.

Dass das Schwäbische mit all seinen Facetten es ihm angetan hat, zeigte Jürgen Kunz am Ende des Programms gemeinsam mit dem Bönnigheimer Martin Opitz: Der als Narr verkleidete Künstler Opitz und Kunz haben das „Märchenfescht“ aus der Taufe gehoben: Kunstvoll geschaffene Märchenskulpturen und von Jürgen Kunz ins Schwäbische übersetzte Märchen stehen im Mittelpunkt dieses Festes, das in wenigen Wochen Premiere haben wird.

Die Besucher der Ottmarsheimer Benefiz-Lesung kamen vorab schon einmal in den Genuss: Ihnen las Jürgen Kunz seine „schwabifizierte“ Version des „Tapferen Schneiderleins“ vor.

Infos und Termine des geplanten „Märchenfeschds“ von Jürgen Kunz und Martin Opitz auf www.märchenfescht.de

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