D’Lebenszeit

Sehr frei nach den Gebrüdern Grimm verfasst von Jürgen Kunz im Juli 2015

Lang isch’s her, dâ hât dr Herrgott älles gmacht ond au älle Kreatura ihr Lebenszeit vorgschrieba. Dâ isch nâ dr Esel zom Herrgott ganga ond hât gfrâgt: „Herr, wia lang soll denn i leba?“ „30 Jâhr“, hât dr Herrgott zo ehm gsagt. „Hano, so lang“, isch di Antwort vom Esel gwä. Er häb doch so a herb’s Leba: Dr ganze Dag dät mr gotzallmächtig schwere Sache uff sein Buckl nufflade, er müsst Kornsäck’ schleufa, weil andre Brot fressa wellat ond er dät koine guate Wort’ kriaga. Mit ma Prügele dät mr’n emmr weitr treiba, hât er no gsagt, ond deshalb sott mr ehm doch an Toil von dera langa Zeit erlassa. Dr Herrgott hât a Ei’seha ghet ond em Esel 18 Jâhr gschenkt.

„Wia alt will’sch Du werda“, hât dr Herrgott nâ dr Hond gfrâgt, wo grad dâher gschlappt isch: „Am Esel send 30 Jâhr zviel, abr des wär jâ für Di grad recht.“ „Hano, so lang“, isch di Antwort vom Hond gwä. Mr müsst sich mâl des vorstella: „So lang omanandr dappa, des haltet meine Fiaß net aus. Ond wenn i nâ em Altr nemme bella kâ ond au koine Zähn’ meh’ hann, was bleibt nâ? I kâ bloß no en ra Eck’ romhocka ond knurra.“ Dr Herrgott hât wiedr a Ei’sehe ghet ond dem Hond zwölf Jâhr erlassa.

„Du abr, willsch bestemmt 30 Jâhr leba“, hât dr Herrgott nâ zom Aff’ gsagt, weil er müsst jâ nex schaffa wia dr Esel ond dr Hond, ond er sei jâ emmr guat druff. „Hano“, hât dr Aff’ gmoint, des dät bloß so ausseha. „Wenn’s a fei’s Breile vom Hemmel regnet, nâ hann i koin Löffl drbei. I muss emmr dr Kaschpr macha, Grimassa schneide, drmit Leut’ lachet. Ond wenn i âmol an Äpfl kriag, nâ isch des so a richtig räsr Dengr. Viel Jommer steckt hendr’m Späßle – des halt i koine 30 Jâhr aus.“ Dr Herrgott isch gnädig gwä, ond hât am Aff’ zehn Jâhr erlassa.

Endlich isch nâ dr Mensch dâherkomma, guat druff ond gsond, ond hât vom Herrgott sei Lebenszeit wissa wella. „40 Jâhr sollsch kriaga. Isch des gnuag für Di“, hât dr Herrgott gsagt. „Hano, bloß so wenig“, hât dr Mensch rom-nörglt. Wenn’r sei Häusle baut’ häb, s’Feur am oigana Herd brenna dät, wenn’r a Bäumle pflanzt häb, ond des endlich scheene Äpfl ond Birna für an Moscht brenga dät, also grad en dera Zeit, wo’s ehm guat ganga dät, nâ sollt’r dr Löffl abgeba? „I brauch’ meh’ Zeit“, hât’r dr Herrgott âgraunzt.

„Du sollsch dia 18 Jâhr vom Esel no drzua kriega“, war dr Herrgott spendabl. „Des isch emmr no net gnuag.“ Dia gschenkte zwölf Jâhr vom Hond hend dem Menscha no net glangt, ond so hât’m dr Herrgott au no dia zehn Jâhr vom Affa gschenkt. „Meh’ kriagsch abr net“, war dr Herrgott doch a bissle überzwerch. Dr Mensch abr war net recht zfrieda.

Jetzt isch’s halt so! Dr Mensch wird rond 80 Jâhr alt. Dia erschte 40 Jâhr send seine beschte, bloß dia gangt schnell vorbei: Dr Mensch isch gsond, guat druff, schaffig ond er freut’ sich an jedem Dag. Nâ kommet dia Jâhr vom Esel: Er muss oi Päckle oms andre schloifa, dia Kornsäck’ buckelt’r für andre – ond was kriagt’r? Meh’ Stroich, wia guate Wort. Es kommet des Dutzend Jâhr vom Hond: Dr Mensch strackt en dr Ecka rom, kâ bloß blullabeißig knurra ond ohne Zähn’ fällt’s beißa schwer. Wenn di Zeit endlich rom isch, so kommat zom Schluss dia zehn Jâhr vom Aff’: Mr isch woich em Obrstüble ond närrisch, macht omegliche Sacha ond wird zom Gspött von de Jonge.

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