Rezensionen

Jürgen Kunz veröffentlicht „Hoimatstond“ – Erste Kleinkunst-Lesung in Erligheim (Bietigheimer Zeitung)

Es ist an der Zeit für ein rein schwäbisch geschriebenes Buch, dachte sich der BZ-Redakteur Jürgen Kunz, seines Zeichens bekennender Schwabe und in Erligheim beheimatet. Das Ergebnis: „Hoimatstond“.


Autor: GABRIELE SZCZEGULSKI | 22.04.2013


Stoff hatte der Journalist, auch aus seinem Beruf, nicht nur für ein Buch in petto. Aus seinem reichen Erfahrungsschatz schöpfte Jürgen Kunz die Sahnehäubchen ab und schrieb sie auf – in reinstem Schwäbisch und nannte die Erzählsammlung „Hoimatstond“. Pädagogisieren oder gar missionieren will der Erligheimer aber in seiner Heimatstunde nicht, sondern erzählen, was Schwaben bewegt und umtreibt. Und natürlich sich für den so oft geschmähten und belächelten Dialekt einsetzen, dem er in seinem Buch anstatt derbem Dialekthumor feinen Wortwitz entgegensetzt. Angekommen in der „aluminium-blonden“ Lebensphase, so Kunz, sei es eben an der Zeit gewesen, „mit der Lebenserfahrung von über 50 Jahren, der Lust an der schwäbischen Geburt und dem journalistischen Spürsinn als württembergischer Lobbyist die Hoimatstond zu verfassen, erklärt der Autor, für den schwäbisch die schönste Sprache der Welt ist.

„Es ist ein Buch von einem Schwaben über Schwaben für Schwaben, aber anders Sprechende dürfen es auch gerne lesen“, so Kunz. Dass er damit seinen Leserkreis einschränkt, war ihm klar. „Wir sind Schwaben, schwäbisch ist unsere Sprache“, meint er. Positive Resonanz bekam er jedoch auch von hochdeutschen Probelesern. Eine Münsteranerin erzählte, dass sie zwar anfangs alles zweimal lesen musste, aber dann so im Dialekt drin war, „der für diese Geschichten einfach sein muss“, dass sie sich durchaus vorstellen könnte, ein weiteres schwäbisches Buch zu lesen.

„Die meiste Arbeit“, so der BZ-Redakteur, „machte nicht das Schreiben an sich, sondern die Vereinheitlichung der schwäbischen Schreibweise“. Denn leider gibt es keinen Duden für Dialekte.

Die Geschichten, die Kunz erzählt, kommen aus dem Schwäbischen, daher ist es nur logisch, es auch so aufzuschreiben. Da kommt gleich zu Anfang des Buches Schwabenrocker Wolle Kriwanek zu Wort, einem „liebenswerda Wegbegleidr“. Im Zuge dieser Erinnerungen an einen Jugendfreund lernt man auch den Autor näher kennen, erfährt, welche Musik den gebürtigen Stammheimer geprägt hat, der Beat nämlich wars. Oder man liest, dass sowohl Kriwanek als auch Kunz gerne in eine Besenwirtschaft gingen oder wie aus einem Lied über Knoblauch eine Hymne an das Würzmittel als potenzsteigernde Substanz wird. Kleine Anekdoten, die wie Balsam auf die schwäbische Seele wirken und den Schwaben an sich als etwas Besonderes darstellen, was er ohne Zweifel ist. Es geht in dem Buch aber auch um Rave-Partys, die Saugrippe oder Dreharbeiten zu einem Tatort.

Alles aus der Schatzkiste journalistischer und äußerst menschlicher Begebenheiten und Begegnungen. Während ein Artikel eines Journalisten am Tag nach seiner Veröffentlichung uralt ist, hat Kunz manchen Menschen in seinem Buch ein Denkmal gesetzt. Dass er Schwaben auf schwäbisch ein Lied singt, ist eigentlich mehr als selbstverständlich. Dass der Dialekt nicht einfach zu lesen ist und seine Zeit braucht, bis man das Buch gelesen hat, verlängert nur das Lesevergnügen.

Hier kann man die „Hoimatstond“ bestellen.